Von der Aura des Einmaligen
Veröffentlicht am 20.01.2017Der Füllfederhalter ist das Schreibzeug der Dichter und Denker. Mit dem Bleistift schuf schon Albrecht Dürer bedeutende Werke. Der Kugelschreiber ist hingegen ein Exot im Bereich der Künste. Der Bremer Künstler Jub Mönster zeichnet seine Bilder unter anderem mit Kugelschreiber auf Resopal.

Mönsters Material ist außergewöhnlich, keine Frage. Er zeichnet und malt mit Kugelschreiber – und kaum ein anderes Instrument, das zum Farbauftrag geeignet ist, kommt einem instinktiv so profan und kunstfern vor wie dieses. Auf die Frage, weshalb er ausgerechnet diesem Werkzeug verfallen ist, antwortet er nicht mit kunsttheoretischen, sondern ausschließlich mit kunsttechnischen Überlegungen. Der „Grafik-Charakter" seiner frühen Bleistift-Arbeiten sei ihm zunehmend auf die Nerven gegangen: „In den Folgejahren habe ich immer wieder nach anderen Materialien gesucht, die meinem Wunsch, es malerischer wirken zu lassen, eher entsprechen: Pastell- und Wachskreide, Sepia, etc. Schließlich war es ein Zufall, der mich auf den Kugelschreiber brachte: Meine Arbeitsplatte ist mit Resopal belegt und auf ihr hatten sich im Lauf der Jahre verschiedenste Strukturen, Verwischungen, etc, darunter auch Kugelschreiberzeichnungen ‚abgesetzt'. Das Blau, und zwar ‚das Strahlende' kam meinen Vorstellungen sehr nahe."
Seither bringt Jub Mönster Kugelschreiberhändler und -hersteller zur Verzweiflung, weil er nach ganz bestimmten Blautönen sucht und Minen braucht, die schnell klecksen – ein Ansinnen, das die Ehre jedes seriösen Kugelschreiber-Produzenten naturgemäß tief verletzt, auf das Mönster seiner Arbeit zuliebe aber nicht verzichten kann: „Die Tinteneigenschaft der Kugelschreiberpaste lässt ein-, zwei- bis dreimaliges Überarbeiten zu, ohne dass die Gefahr des Abplatzens besteht. Dadurch ist es möglich, nahezu ein optisches Schwarz zu schaffen. Außerdem ergeben sich lasurähnliche Effekte." In einer Zeit, in der es unendlich viele Möglichkeiten gibt, Fotografien in Sekundenbruchteilen zu scannen, zu kopieren, zu digitalisieren, zu speichern und beliebig verfremdet wiederzugeben, hat die altmeisterliche Sorgfalt, mit der Mönster sie hier von Hand neu erschafft, etwas von einer zutiefst romantischen Geste: Einem Kunst-Medium, das perfekt auf seine technische Reproduzierbarkeit hin ausgerichtet ist, wird die Aura des Einmaligen und des Originals zurückgegeben. Indem sich Mönster für eine bestimmte Vorlage entscheidet und diese relativ genau wiedergibt, begibt er sich für eine gewisse Zeit in die Darstellung und bewegt sich in ihr. Der Zeichenvorgang hat viel mit Ruhe, genauer Beobachtung und Meditation zu tun. Obwohl später eine sehr realistische Zeichnung entsteht, ist der Vorgang eher abstrakt und von verschiedenen Blautönen geprägt.
Mönsters Originale sind keine nachtblauen Kopien von Fotografien, – sie sehen ihnen vielmehr „recht ähnlich". Diese Differenz, die Jub Mönster schon durch sein Arbeitsmaterial betont, macht den eigenwilligen Zauber seiner Kugelschreiber-Arbeiten aus.
Zur Website: www.jubmoenster.deWeitere Artikel

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